Content Marketing ist für viele Unternehmen ein zentraler Aspekt in der Marketing Strategie. Allein in der DACH-Region lag 2016 das Investment in Content Marketing bei 6,9 Milliarden Euro, Tendenz steigend (1). Einige Unternehmen haben sich dabei ein eigentlich nicht ganz neues Phänome zu nutze gemacht. User-generated Content (UGC) lautet das Stichwort und beschreibt von Privatpersonen, außerhalb professioneller Routine-Abläufe erstellte Inhalte. Ein Vorreiter in diesem Bereich ist dabei der Actionkamerahersteller GoPro, der besonders auf Youtube, Instagram und über die eigene Webseite mit den Beiträgen seiner User wirbt. Doch nicht nur Tech-Giganten wie GoPro, sondern auch das mittelständische Unternehmen, das nichts mit der Gestaltung von Fotos zu tun hat, kann sich User-generated Content zunutze machen und mithilfe dessen, hocheffektiv mehr Reichweite erlangen. Wie das geht, erklären wir in diesem Beitrag!

 

Welche Gestaltungsformen kann User-generated Content annehmen?

Bevor wir uns der Frage stellen, wie jedes Unternehmen UGC für die eigene Marketing-Strategie einsetzen kann, gilt es, die unterschiedlichen Möglichkeiten von User-generated Content zu erkennen. Die wohl ursprünglichste Form stellen die allseits bekannten Leserbriefe dar, die schon vor der Digitalisierung eine typische Form der Leser-Partizipation darstellte. Die Plattform Wikipedia, die 2001 die ersten Beiträge kostenfrei zur Verfügung stellte und seither rasant gewachsen ist, beschreibt eine andere Form des User-generated Contents. Betrachtet man die Vielzahl an Onlineportalen und Websites, die heute online sind, fallen weitere Formen des UGC auf. Blogbeiträge, Amazon-Bewertungen, Youtube-Videos oder Nutzerkommentare unter Online-Kolumnen sind von Kunden, oder im weiteren Sinne, Privatpersonen bereitgestellte Medien. Dabei können Inhalte Fotos und Videos, aber auch Texte sein.

user-generated content mit Fotomarketing

Nicht nur Bilder sondern auch Leserbriefe, Blog-Kommentare oder Produktrezensionen sind UGC.

User-generated Content ist nicht nur an Bilder und Videos gebunden. Jede Form der Nutzer-Kommunikation gehört dazu und führt zu positiven Marketing-Effekten. Produktrezensionen können für Unternehmen genauso wichtig wie Nutzervideo auf Youtube sein.

Warum ist User-generated Content für Unternehmen so wichtig?

Ein erster großer Vorteil, den UGC in sich birgt, ist die enorme Authentizität. Keine von Unternehmens gestaltete Werbekampage kann Kunden so emotional und authentisch abholen, wie der Content, den andere freiwillig Käufer teilen. Kennzahlen aktueller Studien untermauern diese Vermutung. So vertrauen 70% aller Konsumenten Kundenbewertungen und Empfehlungen mehr als von Marken bereitgestellten Informationen (2). Es ist wenig verwunderlich, dass Amazon Ende 2016 mit einer Reform seiner Produktbewertungen um die Ecke kam. Um die hohe Authentizität der Bewertungen aufrecht zu erhalten, wurden strengere Richtlinien eingeführt, die das “Kaufen” von Bewertungen härter abmahnen und die Möglichkeit zur Nutzung von professionellen Produkttestern eingeschränkt. Der Verlust der Authentizität von Kundenbeiträgen muss also unbedingt aufrechterhalten werden.

Treffen Nutzer auf eine Mischung aus User-generated Content und vom Unternehmen gestalteten Anregungen steigt das Brand-Engagement dieser um circa 28 Prozent. Der große Vorteil, der in den Medien Foto und Video liegt ist ihr Potenzial “viral zu gehen”. Auf Youtube geteilter Inhalt bekommt 10 mal mehr Views, wenn er von einem Konsumenten anstatt einer Firma geteilt wird. Weiterhin hilft User-generated Content Unternehmen dabei, sich von anderen abzuheben und ein Alleinstellungsmerkmal zu generieren. Auch wenn es unzählige Actioncam-Hersteller am Markt gibt, so ist GoPro nicht zuletzt aufgrund der herausstechenden Social-Media-Präsenz und konsistenter Nutzung von UGC der bekannteste unter ihnen. Letztendlich profitieren Unternehmen von einer engeren Kundenbeziehung und damit treueren Kunden, die sich der Marke gegenüber verpflichtet fühlen.

Aus der Perspektive des Users gesehen, sind Interaktionen anderer unglaublich hilfreich und unterhaltsam. So können über ein Produkt geteilte Videos dabei helfen, neue Anwendungsmöglichkeiten zu verstehen oder Inspiration zu sammeln. Was daraus entsteht ist eine Win-Win-Situation für jedermann.

 

Wie lassen sich Synergien aus User-generated Content und Marketing-Erfolg generieren? GoPro als Vorreiter.

Die große Herausforderung für Unternehmen liegt nun in der bewussten Gestaltung von Strategien und Ansätzen, um UGC übergreifend in das Marketing zu integrieren. GoPro, RedBull, Canon oder Apple sind nur ausgewählte Beispiele an Unternehmen, die ihre Kunden ganz bewusst mit ins Marketing einbinden und ihnen erlauben, dieses mitzugestalten. Als Trendsetter allseits bekannt, hat sich GoPro durch seine Marketing-Strategie einen Namen gemacht. Nicht nur auf Youtube, auch auf der Unternehmenswebsite, im Fernsehen oder bei InStore-Promotions wirbt GoPro bewusst mit “Amateurvideos”. Dabei steht das Erlebnis, der Kick, die besondere Perspektive im Vordergrund. Incentives, das Video mit Freunden zu teilen stehen vor dem “Push”, der zum Kaufen des Produkts anregen soll. Konsequent veröffentlicht der Actioncam-Hersteller dabei Videos, die Kunden interessieren und in seinen Bann ziehen. Content-Marketing richtet sich hier also, so wie es sich gehört, an der Zielgruppe aus und bietet relevante Inhalte anstatt statischer Werbeversprechen. GoPro erlaubt den Usern ihre eigene Geschichte und Meinung mit einzubringen. Viele Unternehmen scheuen sich hingegen davor, aktiv nach Kundenpartizipation zu fragen. Zu groß ist die Angst, schlechtes Feedback zu bekommen oder womöglich sogar einen “Shitstorm” zu riskieren. GoPro glaubt an sein Produkt und daran, dass die User auch das beste aus diesem herausholen.

 

Doch wie können Non-Tech-Unternehmen von User-generated Content profitieren?

Eine konsequente Einbindung von User-generated Content ist also ein erster Schlüssel zum Erfolg. Doch was tun, wenn das eigene Unternehmen Produkte wie Schrauben oder Backmischungen herstellt und nichts mit Bildern und Videos zu tun hat? Wie lässt sich trotzdem eine UGC-Strategie umsetzen?

Konzentrieren Sie sich nicht auf ihre Beschränkungen. Überlegen Sie vielmehr wo Sie Berührungspunkte mit ihren Kunden und ihrer Zielgruppe haben und diese auch zur Partizipation motivieren können. Verblüffenderweise wollen mehr als 50% der Konsumenten aktiv Vorgaben darüber bekommen, welche Inhalte erstellt und geteilt werden sollen. Machen Sie also das beste aus ihrer Situation und gehen Sie aktiv auf ihre Zielgruppe zu. Vermitteln Sie in ihrer Kommunikation Leidenschaft und Vision für ihr Produkt. Schaffen Sie es, ihre Kunden zu begeistern, so werden diese ganz von allein Content für Sie produzieren.

User-generated Content Leidenschaft

Kommunizieren Sie auf allen Ebenen leidenschaftlich und folgen Sie einer Vision – und stecken Sie ihre Kunden damit an.

Um User-generated content nutzen zu können, bedarf es leidenschaftlichen und begeisterten Kunden, die voll und ganz hinter ihrem Produkt oder Service stehen. Nur dann werden Produktrezensionen, Nutzerkommentare oder aufwendige Youtube-Videos vonseiten ihrer Kunden erstellt und geteilt. Es gilt also, Leidenschaft bei ihrer Zielgruppe zu erzeugen.

Denken Sie bei dem Stichwort “User-generated Content” nicht nur an Bilder und Videos. Auch Kommentare oder Produktrezensionen sind vom Kunden generierte Inhalte. Ein erster Schritt kann also die Einführung oder der Relaunch eines Unternehmensblogs sein, auf dem sich ihre Kunden aktiv beteiligen können. Teilen Sie Blogbeiträge auch auf sozialen Netzwerken und schaffen Sie somit Raum für mehr Interaktionen.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, einen Fotowettbewerb zu starten? Der Technikhersteller Canon veranstaltet regelmäßig Wettbewerbe und ermutigt damit seine Zielgruppe, Fotos oder Videos online zu teilen. Binden Sie Ihr Produkt oder ihre Dienstleistung in das Thema des Fotowettbewerbs mit ein und schaffen Sie somit, genau wie GoPro, eine Verbindung zwischen Produkt und geteiltem Inhalt.

Eine weitere Möglichkeit kann die Einbindung eines Foto-Systems auf ihren Events sein. Auf Messen oder PR-Events sind derartige Systeme immer gerne gesehen und geben ihrer Zielgruppe die Möglichkeit, persönlichen Content zu erstellen. Die Einbindung von Social-Media-Kanälen in den Userflow erleichtert das Veröffentlichen der entstandenen Bilder und sorgt so für eine erhöhte Interaktion der User.

 

Letztendlich beschreiben alle Bemühungen um User-generated Content den Aufbau von Interaktionen. Dem Kunde näher zu kommen, seine Meinung und den direkten Umgang mit dem eigenen Produkt kennenzulernen – das ist das Ziel, das hinter diesem Bestreben steht. Während früher aufwändig gestaltete Werbekampagnen das Marketing ausmachten, steht heute eine direkte und authentische Beziehung zwischen Anbieter und Konsument im Fokus. Trauen Sie sich ihre Kunden aktiv in die Öffentlichkeitsarbeit einzubinden. Ermutigen Sie dabei ihre Zielgruppe, eine ganz persönliche Geschichte mit dem Produkt oder ihrem Service zu erzählen.

 

(1) Content Marketing Forum. (n.d.). Investitionsvolumen in Content Marketing, Corporate Publishing in Deutschland, Österreich und der Schweiz in ausgewählten Jahren von 2010 bis 2016 (in Mrd. Euro). In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 24. November 2017

(2) Stefan Bosch-Faerber von Karmapunkte, 38 verblüffende Statistiken zu User Generated Content, Zugriff am 23. November 2017

Bilder: Unsplash.com

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